Wir sehen es bei unseren Kunden immer öfter: Produktbilder, die aussehen wie ein fotografierter Hollowman, auch Ghost Mannequin genannt, aber nie fotografiert wurden. Jedes davon ist ein KI-Hollowman, erzeugt aus der technischen Zeichnung eines Kleidungsstücks, dem Flat Sketch aus der Entwicklung. Manchmal entstehen daraus im nächsten Schritt sogar KI-Modelbilder.
Wir verstehen gut, warum das passiert. Die Bilder sind schnell da, oft schon bevor das erste Muster genäht ist, und sie scheinen wenig zu kosten. Wer eine Kollektion früh im Shop zeigen will, glaubt, damit eine Abkürzung gefunden zu haben. Wir arbeiten selbst jeden Tag mit KI und sind die Letzten, die sie grundsätzlich ablehnen. Bei diesem Einsatz sehen wir aber regelmäßig, was auf der Strecke bleibt: der Stoff.

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So entsteht ein KI-Hollowman aus der Zeichnung
Grundlage ist die technische Zeichnung, wie sie in jeder Produktentwicklung entsteht: Umrisse, Nähte, Taschen, Verschlüsse, dazu eine Farbangabe. Daraus erzeugt ein Bildgenerator ein Bild, das so aussieht, als hätte das Kleidungsstück auf einer Büste gesteckt und wäre danach freigestellt worden.
Das Problem steckt im Ausgangsmaterial. Eine Zeichnung enthält keine Information darüber, wie sich der Stoff anfühlt und wie er aussieht. Ob Köper, Ripstop, Fleece, Strick oder Melange: Auf dem Papier ist alles nur eine Fläche. Die KI muss sich die Oberfläche deshalb ausdenken. Sie macht das sehr geschickt, und das Ergebnis wirkt plausibel. Plausibel heißt aber noch lange nicht richtig.
Was im KI-Hollowman fehlt
Legt man ein solches Bild neben ein Foto des echten Artikels, fallen die Unterschiede schnell auf. Diese Fehler sehen wir immer wieder:
- Falsche oder fehlende Stoffstruktur. Mal wirkt die Oberfläche glatt wie Kunststoff, mal erfindet die KI ein Maschenbild, das es am echten Teil gar nicht gibt.
- Nähte und Steppungen stimmen nicht. Doppelnähte werden zu einfachen Linien, Steppungen verlaufen ungleichmäßig oder hören mitten im Teil auf.
- Artefakte an Details. Reißverschlusszähne verschwimmen, Kordeln enden im Nichts, Taschen sitzen links und rechts unterschiedlich hoch, Knöpfe haben mal vier, mal drei Löcher.
- Logos und Schriften. Stickereien und Drucke werden nachempfunden statt wiedergegeben. Buchstaben verrutschen oder ergeben keinen Sinn mehr.
- Farbe ohne Referenz. Die KI trifft einen Farbton, der zur Angabe passt, aber nicht zwingend zum Stoff im Lager. Gerade bei Marineblau, Oliv und Grautönen liegen schnell Welten dazwischen.
- Kein echter Fall. Wie ein Stoff fällt, wie viel Volumen eine Jacke hat und wo sie Falten wirft, hängt vom Material ab. Das kann eine Zeichnung nicht wissen.
Ein Beispiel: Aus dem Sweatshirt wird ein Strickpullover
Wie groß der Unterschied sein kann, haben wir selbst ausprobiert. Die Vorlage ist die Zeichnung eines Sweatshirts aus glatter Sweatware, nur Halsausschnitt, Ärmelbündchen und Saum sind gerippt. Daraus haben wir einen KI-Hollowman erzeugt, der auf den ersten Blick überzeugt.
Erst in der Nahaufnahme sieht man, was passiert ist. Die KI hat dem ganzen Teil ein grobes Maschenbild gegeben, Vorderteil, Ärmel und Schulter sehen aus wie bei einem Strickpullover. Aus dem Sweatshirt ist ein Strickpullover geworden. Nichts davon stand in der Zeichnung, und am echten Teil gibt es diese Struktur nicht.

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Also der zweite Versuch: Im Prompt steht jetzt ausdrücklich, dass es sich um einen glatten Sweatstoff handelt. Das Ergebnis ist tatsächlich glatt. Überzeugend ist es trotzdem nicht. Die Oberfläche wirkt weich und strukturlos, fast wie Velours.
Was fehlt, zeigt erst das Foto des echten Sweatshirts. Der Stoff ist glatt, hat aber aus der Nähe ein feines, dichtes Maschenbild, wie es für Sweatware typisch ist. Die Bündchen sind kräftig gerippt und etwas heller als der Rest. Und das Teil ist nicht hellblau, sondern ein gedecktes, leicht graustichiges Blau. Davon weiß die KI nichts. Die Farbe kennt sie nur aus der Zeichnung, und die ist bloß eine Annäherung. Beim Stoff hat sie im zweiten Versuch einfach eine andere Vermutung abgegeben.

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Wenn aus dem KI-Hollowman ein KI-Model wird
Richtig problematisch wird es, wenn das Ganze eine zweite Runde dreht. Aus dem KI-Hollowman entstehen KI-Modelbilder, das Kleidungsstück wird also auf ein generiertes Model übertragen.
Das funktioniert wie Stille Post. Schon der KI-Hollowman zeigt einen Stoff, den sich die KI ausgedacht hat. Im zweiten Schritt wird dieser ausgedachte Stoff noch einmal neu interpretiert, mit Faltenwurf, Licht und Bewegung. Jede Runde entfernt das Bild ein Stück weiter vom echten Produkt. Am Ende sieht man ein schönes Modelbild, aber vom Stoff, den der Kunde später in der Hand hält, ist praktisch nichts mehr übrig.
In unserem Beispiel trägt das KI-Model den erfundenen Strickpullover ganz selbstverständlich. Das Bild ist stimmig, das Licht ist schön, und niemand würde vermuten, dass das Kleidungsstück in Wirklichkeit ganz anders aussieht.

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Der Käufer merkt es spätestens beim Auspacken
Niemand, der so arbeitet, will seine Kunden täuschen. Die Bilder entstehen in bester Absicht, oft unter Zeitdruck, und auf dem Bildschirm sehen sie überzeugend aus. Getäuscht wird der Käufer trotzdem, nur eben ungewollt.
Im Shop fällt das zunächst niemandem auf. Das Bild sieht gut aus, der Artikel wird bestellt. Die Enttäuschung kommt erst, wenn das Paket geöffnet wird. Wer den Pullover aus unserem Beispiel nach dem ersten KI-Bild bestellt, erwartet Strick und bekommt ein Sweatshirt in einem anderen Blau. Bei anderen Artikeln ist der Stoff gröber oder glänzender als gedacht, die Steppung sitzt anders oder der Reflexstreifen verläuft nicht so wie auf dem Bild.
Dass das kein Randproblem ist, zeigen die Zahlen. In einer repräsentativen Befragung des EHI Retail Institute im Auftrag von KPMG nannten 60,4 Prozent der Onlinekäufer, über alle Branchen hinweg, eine ungenaue Beschreibung oder Abweichungen von den Produktbildern als Grund für Retouren. Noch häufiger genannt wurden Qualitätsmängel mit 73,8 Prozent, und auch dahinter kann ein Bild stecken, das mehr verspricht, als die Ware hält. Gerade in der Mode ist das teuer: Laut einer weiteren EHI-Studie bekommt jeder achte befragte Onlinehändler für Mode mehr als die Hälfte seiner Bestellungen zurück.
Online kann niemand den Stoff anfassen. Das Bild ist die einzige Information darüber, wie sich ein Kleidungsstück anfühlen wird, und genau diese Information erfindet die KI, wenn sie nur eine Zeichnung hat. Die Folgen kennt jeder Onlinehändler: Die Ware geht zurück, mit Versand, Prüfung und Wiederaufbereitung, in den Bewertungen steht „sieht in echt ganz anders aus“, und das Vertrauen in die nächste Produktseite sinkt gleich mit. Der Kunde, der einmal enttäuscht wurde, schaut beim nächsten Mal genauer hin oder bestellt woanders.
Bei Workwear wird es heikel
In der Arbeitskleidung, auf die wir spezialisiert sind, kommt ein weiterer Punkt hinzu. Hier kaufen Fachleute, und sie schauen genau hin: Wie sind die Reflexstreifen angeordnet, wie breit sind sie, wo sitzen Verstärkungen, wie ist der Stoff aufgebaut? Ein KI-Bild, das diese Details frei interpretiert, zeigt im Zweifel ein Produkt, das es so nicht gibt. Bei Warnschutzkleidung ist das mehr als ein Schönheitsfehler, denn hier entscheidet die Ausstattung über die Sicherheit.
Günstig ist der KI-Hollowman nur auf den ersten Blick
Hinzu kommt: Kostenlos sind KI-Bilder aus der Zeichnung nicht. Die Werkzeuge kosten Lizenzen oder Credits, und selten ist der erste Versuch brauchbar. Bis ein Bild halbwegs stimmt, sind oft viele Durchläufe nötig. Jemand im Team muss die Eingaben schreiben, die Ergebnisse auswählen und mit der Zeichnung vergleichen. Und meist muss das Bild am Ende trotzdem noch nachbearbeitet werden.
Dem steht ein fotografierter Hollowman gegenüber, den Sie bei uns ab 6 Euro netto pro Bild bekommen, kalkuliert für größere Mengen. Darin enthalten sind die Bildbearbeitung, die Benennung nach Ihren Vorgaben und die Derivate für Ihre Kanäle. Sie bekommen dafür ein Bild, das zeigt, was tatsächlich im Lager liegt. Der einzige echte Vorteil der Zeichnung ist, dass sie schon vor dem ersten Muster da ist. Sobald ein Muster existiert, spricht wenig dafür, auf das Foto zu verzichten.
Auch die beste Korrektur erfindet keinen Stoff
Wir korrigieren regelmäßig KI-Bilder, die unsere Kunden selbst erzeugt haben. Logos, Farben, Nähte und Reflexstreifen bekommen wir in der Postproduktion wieder in Ordnung, wenn eine echte Vorlage vorhanden ist. Eine Stoffstruktur, die es im Bild nie gab, können wir aber nicht zurückholen. Dafür braucht es ein Foto.
Unser Weg: erst fotografieren, dann KI
Wir drehen die Reihenfolge deshalb um. Am Anfang steht der fotografierte Hollowman, mit echtem Stoff, echten Nähten und geprüfter Farbe. Auf dieser Grundlage setzen wir KI dort ein, wo sie stark ist: für KI-Models, neue Kulissen und Varianten für verschiedene Kanäle. Weil die Vorlage echt ist, bleibt der Stoff auch im KI-Modelbild erkennbar. Wie das im Detail abläuft, beschreiben wir in unserem Artikel zum hybriden Workflow aus Fotografie und KI.
Hat die Zeichnung als Grundlage für KI-Bilder dann gar keinen Platz? Doch, aber an anderer Stelle: für frühe Entwürfe, interne Abstimmungen, die Kollektionsplanung oder den Vorverkauf an Händler, solange klar ist, dass es sich um eine Visualisierung handelt. Spätestens wenn ein Artikel im Shop verkauft wird, sollte das Bild zeigen, was tatsächlich geliefert wird.
Kennzeichnung nicht vergessen
Ein Hollowman, der aus einer Zeichnung erzeugt wurde, ist ein KI-generiertes Bild, auch wenn er wie ein Foto aussieht. Welche Kennzeichnungspflichten sich daraus nach dem AI Act ergeben, hängt vom Einzelfall ab. Unsere Übersicht zum AI Act hilft bei der Einordnung.
Fazit
KI ist ein starkes Werkzeug in der Produktion von Modecontent. Ein Kleidungsstück, das noch niemand fotografiert hat, kann sie aber nicht zeigen. Sie kann es nur erfinden. Wer im Shop verkauft, was im Lager liegt, braucht als Grundlage ein echtes Foto. Danach darf die KI gern übernehmen.
Wenn Sie Ihre Artikel als Hollowman fotografieren lassen und anschließend mit KI weiterverarbeiten möchten, sprechen Sie uns an.
Häufige Fragen
Kann KI aus einer technischen Zeichnung ein Produktfoto erstellen?
Sie kann ein Bild erzeugen, das wie ein Produktfoto aussieht. Weil eine Zeichnung aber keine Informationen über Material, Struktur und genaue Farbe enthält, erfindet die KI diese Eigenschaften. Das Ergebnis ist plausibel, zeigt aber nicht das echte Produkt.
Woran erkennt man einen KI-Hollowman?
Typisch sind eine Stoffoberfläche, die entweder glatt wie Kunststoff wirkt oder eine erfundene Struktur zeigt, unsaubere Nähte, verschwommene Reißverschlüsse, verzerrte Logos und Details, die links und rechts nicht zusammenpassen.
Kann man KI-Hollowman-Bilder nachträglich korrigieren?
Logos, Farben, Nähte und Reflexstreifen lassen sich in der Postproduktion korrigieren, wenn eine echte Vorlage vorhanden ist. Eine fehlende Stoffstruktur lässt sich dagegen nicht zuverlässig nachbauen. Dafür braucht es ein Foto des Artikels.
Was ist die bessere Grundlage für KI-Modelbilder?
Ein fotografierter Hollowman. Er zeigt den echten Stoff, die echten Nähte und die geprüfte Farbe. Werden daraus KI-Modelbilder erzeugt, bleiben diese Eigenschaften deutlich besser erhalten als bei einem Bild, das aus einer Zeichnung entstanden ist.
Ist ein KI-Hollowman günstiger als ein fotografierter?
Nicht unbedingt. Lizenzen oder Credits, viele Durchläufe, die Arbeitszeit für Auswahl und Abgleich und die Nachbearbeitung kosten ebenfalls Geld. Einen fotografierten Hollowman gibt es bei uns ab 6 Euro netto pro Bild bei größeren Mengen, inklusive Bildbearbeitung, Benennung und Derivaten.
Führen KI-Bilder aus Zeichnungen zu mehr Retouren?
Zahlen speziell zu KI-Bildern gibt es bisher nicht. Abweichungen zwischen Produktbild und Ware gehören aber zu den häufigsten Retourengründen: In einer Befragung des EHI Retail Institute im Auftrag von KPMG nannten 60,4 Prozent der Onlinekäufer branchenübergreifend eine ungenaue Beschreibung oder Abweichungen von den Produktbildern. Ein Bild, das einen Stoff zeigt, den es nicht gibt, ist genau so eine Abweichung.
Wofür eignen sich KI-Bilder aus Zeichnungen trotzdem?
Für frühe Entwürfe, interne Abstimmungen, die Kollektionsplanung und den Vorverkauf, solange klar ist, dass es sich um eine Visualisierung handelt. Für den Verkauf im Onlineshop empfehlen wir Bilder auf Basis eines echten Fotos.
Quellen und weiterführende Informationen
TextilWirtschaft: Neue EHI-Studie, so haben sich die Retourenquoten entwickelt (November 2025)
Disclaimer
Dieser Beitrag gibt den aktuellen Informationsstand und unsere Einschätzung zur Entwicklung von KI-Content, Produktfotografie und Content-Kennzeichnung wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Anforderungen des EU AI Act und anderer Vorschriften können je nach Inhalt, eingesetztem KI-System und Anwendungsfall unterschiedlich ausfallen. Unternehmen sollten ihre konkreten Prozesse und Kennzeichnungspflichten bei Bedarf rechtlich prüfen lassen.


